Sind Deepfakes strafbar: Juristische Bewertung und Rechtsansprüche

19. August 2026IT law

Deepfake strafbar: Rechtliche Einordnung und Schutzansprüche

Durch KI erzeugte Deepfakes mit intimen Inhalten stellen Verletzungen der Persönlichkeitsrechte dar und erfüllen unter Umständen Straftatbestände. Geschädigte können zivilrechtlich Unterlassung, Beseitigung und Schadensersatz geltend machen, auch wenn die Rechtslage noch Lücken aufweist.

Sind Deepfakes strafbar: Juristische Bewertung und Rechtsansprüche

Bilder oder Videos, die täuschend echt wirken und Personen in intimen oder kompromittierenden Situationen darstellen, obwohl diese Situationen niemals stattgefunden haben. Was technisch als Deepfake bekannt ist, lässt sich mittlerweile mit frei zugänglichen KI-Tools innerhalb weniger Minuten erstellen. Die gesellschaftlichen Auswirkungen für Betroffene sind erheblich: geschädigter Ruf, psychische Belastungen, berufliche Folgen. Die rechtliche Frage, ob ein Deepfake strafbar ist, kann nicht pauschal mit ja oder nein beantwortet werden, da sie von der konkreten Gestaltung und den verwendeten Inhalten abhängt. Sicher ist jedoch: Es handelt sich nicht um einen rechtsfreien Raum.

Deepfake: Technische Grundlagen, Erscheinungsformen und rechtliche Bedeutung

Der Ausdruck Deepfake verbindet die Begriffe Deep Learning und Fake miteinander. Darunter fallen Bild-, Video- oder Tonaufnahmen, die durch künstliche Intelligenz derart bearbeitet oder komplett neu erstellt werden, dass eine tatsächlich existierende Person in einer Lage gezeigt wird, die niemals real war. Technologisch basiert dies auf neuronalen Netzwerken, die aus bestehendem Bildmaterial Gesicht oder Stimme einer Person herausfiltern und diese in andere Zusammenhänge übertragen.

Für die juristische Beurteilung spielen insbesondere drei Ausführungen eine Rolle. Erstens der Gesichtstausch: Hierbei wird das Gesicht einer Person in ein vorhandenes Video – oft mit pornografischem Inhalt – integriert. Zweitens rein KI-erzeugte Aufnahmen, bei denen kein authentisches Ausgangsmaterial der betreffenden Person zum Einsatz kommt, sondern die KI anhand weniger Referenzbilder eine authentisch wirkende Darstellung schafft. Drittens veränderte Originalaufnahmen, bei denen reale Bilder oder Videos derart abgewandelt werden, dass ein irreführender Eindruck vermittelt wird.

Die juristische Bewertung variiert je nach Ausführung beträchtlich. Während beim Gesichtstausch mit authentischem Ausgangsmaterial verschiedene Straftatbestände parallel zur Anwendung kommen können, gestaltet sich die strafrechtliche Situation bei rein KI-erzeugten Aufnahmen vielschichtiger und ist teilweise noch nicht endgültig geklärt. Genau diese Regelungslücke machen sich Täter gezielt zunutze.

Lassen Sie Ihren individuellen Fall durch einen Rechtsanwalt bewerten, denn die technische Ausführung des Deepfakes bestimmt maßgeblich die Auswahl der passenden Rechtsgrundlage.

Strafbarkeit von Deepfakes: Welche Straftatbestände im deutschen Recht zur Anwendung kommen

Im deutschen Strafrecht existiert kein eigenständiger Paragraph, der explizit den Terminus Deepfake behandelt. Trotzdem greifen abhängig vom jeweiligen Fall verschiedene Straftatbestände, die gemeinsam einen effektiven – wenngleich nicht vollständig lückenlosen – Schutz gewährleisten.

  • 184k StGB verbietet die unerlaubte Weitergabe von Bildmaterial aus dem intimen Bereich. Dieser Paragraph erfordert allerdings, dass tatsächlich eine authentische Aufnahme der dargestellten Person existiert, auf welcher diese eindeutig zu identifizieren ist und die in einem Kontext aufgenommen wurde, in dem offensichtlich keine Verbreitung beabsichtigt war. Bei Face-Swapping-Deepfakes, wo das Antlitz einer Person auf fremdes Bildmaterial projiziert wird, bleibt die Anwendung von § 184k StGB rechtlich strittig. Komplett durch KI erschaffene Aufnahmen ohne reale Bildvorlage werden tendenziell nicht erfasst, da hier eine gesetzgeberische Lücke klafft.
  • 201a StGB sichert die höchstpersönliche Lebenssphäre mittels Bildaufnahmen ab. Vergleichbar mit § 184k StGB ergibt sich die Problematik, ob durch KI generierte Darstellungen überhaupt als Bildaufnahmen im gesetzlichen Sinn einzustufen sind. Bei veränderten Originalaufnahmen gestaltet sich die Anwendung wesentlich eindeutiger als bei vollkommen synthetisch erstellten Materialien.

Davon losgelöst kommen in zahlreichen Situationen zusätzliche Straftatbestände zum Tragen: § 185 StGB (Beleidigung) sowie § 186 StGB (üble Nachrede) sind anwendbar, sofern Deepfakes dazu geeignet sind, die Ehre eines Menschen zu schädigen oder falsche Behauptungen aufzustellen.

  • 263 StGB (Betrug) findet Anwendung, wenn Deepfakes zum Zweck der Täuschung im Rechtsverkehr verwendet werden, beispielsweise um finanzielle Mittel zu erschleichen oder Identitäten widerrechtlich zu nutzen. In Erpressungsfällen kommt § 253 StGB ergänzend hinzu.

Wer Opfer eines Deepfakes wird, sollte keinesfalls eigenständig beurteilen, welcher Straftatbestand zur Anwendung kommt. Ein Rechtsanwalt kann den Fall unter Berücksichtigung der spezifischen technischen Gegebenheiten juristisch bewerten und die vielversprechendste Vorgehensweise entwickeln.

Die Schutzlücke bei Deepfakes: Wo das Strafrecht an seine Grenzen stößt

Eine wesentliche Problematik stellt die vorhandene Regelungslücke im deutschen Strafrecht dar, wenn es um rein KI-generierte intime Darstellungen geht. § 184k StGB zielt auf die Weitergabe authentischer Aufnahmen aus dem intimen Bereich ab. Eine Darstellung, die tatsächlich nie existiert hat und lediglich durch eine KI auf Grundlage frei verfügbarer Bilder einer Person erstellt wurde, lässt sich dem Wortlaut dieser Vorschrift nicht unmittelbar zuordnen.

Diese Regelungslücke wird rechtspolitisch seit längerer Zeit thematisiert und erörtert. In verschiedenen europäischen Staaten existieren mittlerweile eigenständige Vorschriften zu KI-erzeugten intimen Darstellungen oder bestehende Regelungen wurden explizit auf synthetisch hergestellte Inhalte ausgeweitet. In Deutschland steht eine vergleichbare Anpassung des Strafgesetzbuchs weiterhin aus, wird jedoch in der rechtswissenschaftlichen Debatte nachdrücklich gefordert.

In der Praxis heißt das: Personen, die von einem vollständig durch KI generierten Deepfake betroffen sind, müssen sich gegenwärtig verstärkt auf zivilrechtliche Instrumente berufen, die über das allgemeine Persönlichkeitsrecht einen umfassenderen Schutz gewähren als das Strafrecht. Dies stellt keine Barriere für rechtliche Schritte dar, verlangt jedoch eine differenzierte Vorgehensweise.

Ebenfalls relevant ist der Digital Services Act (DSA) der EU: Plattformen, über die Deepfakes verbreitet werden, sind nach erfolgter Meldung zur Beseitigung rechtswidriger Inhalte verpflichtet. Für besonders große Plattformen gelten dabei verkürzte Fristen. Die Meldung eines Deepfakes als rechtswidriger Inhalt stellt einen wichtigen ersten Schritt dar, der parallel zu weiteren rechtlichen Maßnahmen erfolgen sollte.

Zivilrechtlicher Schutz: Unterlassung und Schadensersatz bei Deepfakes

Ungeachtet der strafrechtlichen Situation bietet das Zivilrecht Betroffenen von Deepfakes einen wirksamen Schutzrahmen. Grundlage bildet das allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG, welches die Verfügungshoheit einer Person über ihr eigenes Abbild und ihre Außendarstellung schützt. Daneben findet das Recht am eigenen Bild nach §§ 22 ff. KUG Anwendung, welches die Verbreitung von Bildnissen ohne Einwilligung verbietet.

Der wichtigste zivilrechtliche Anspruch stellt der Unterlassungsanspruch dar: Ist der Täter bekannt, lässt sich per einstweiliger Verfügung innerhalb weniger Tage gerichtlich untersagen, das Deepfake weiterzuverbreiten. Dieser Anspruch besteht unabhängig davon, ob eine echte Aufnahme der betroffenen Person verwendet wurde oder nicht, sofern die dargestellte Person erkennbar ist und die Darstellung ihr Persönlichkeitsrecht verletzt.

Daneben kommen Schadensersatz und Schmerzensgeld in Betracht. Schwere Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch Deepfakes können erhebliche Geldentschädigungen begründen, welche sowohl immaterielle Schäden wie psychische Belastung, Reputationsschaden, sozialen Rückzug als auch materielle Schäden wie Einkommensverluste erfassen. Je größer die Reichweite der Verbreitung, desto höher fällt die Entschädigung in der Regel aus.

Lassen Sie anwaltlich prüfen, ob eine außergerichtliche Lösung, etwa durch ein Anschreiben mit Unterlassungs- und Löschungsaufforderung, im konkreten Fall sinnvoller ist als ein sofortiges Gerichtsverfahren. Häufig reagieren Täter auf ein anwaltliches Schreiben, bevor es zur Klage kommt.

Deepfake-Pornografie und Plattformen: Meldung, Entfernung und Haftung der Plattformbetreiber

Der überwiegende Teil von Deepfakes mit intimem Charakter findet seine Verbreitung über spezialisierte Plattformen oder soziale Netzwerke. Zahlreiche dieser Plattformen verfügen mittlerweile über Meldesysteme für ohne Einwilligung veröffentlichte intime Inhalte, wobei explizit auch durch KI erzeugte Darstellungen erfasst werden. Eine förmliche Meldung sollte stets als erste Maßnahme durchgeführt werden, da sie die Plattform von der Rechtsverletzung in Kenntnis setzt und dadurch ihre Haftung für ein weiteres Untätigbleiben auslöst.

Der Digital Services Act verpflichtet sehr große Online-Plattformen nach erfolgter Meldung zur umgehenden Beseitigung rechtswidriger Inhalte. Kommen Plattformen dieser Verpflichtung nicht nach, drohen empfindliche Bußgelder durch die jeweils zuständigen nationalen Behörden. In Deutschland nimmt die Bundesnetzagentur die Funktion des Digital Services Coordinators wahr.

Technisch stellen einige Plattformen mittlerweile Hash-Matching-Systeme bereit, die das erneute Hochladen bereits gemeldeter Inhalte automatisch identifizieren und unterbinden. Derartige Systeme stellen ein wesentliches Instrument dar, um zu verhindern, dass entfernte Inhalte unter geänderter Bezeichnung erneut erscheinen. Ein Rechtsanwalt kann bei der Kommunikation mit Plattformbetreibern unterstützen und bei ausbleibender Reaktion rechtliche Maßnahmen einleiten.

Handeln Sie bei Deepfakes zügig: Je länger das Material im Umlauf ist, desto mehr Duplikate entstehen auf Drittplattformen, die sich der Kontrolle des ursprünglichen Verbreiters entziehen.

Wann ist rechtliche Beratung bei Deepfakes empfehlenswert?

Bei Deepfakes empfiehlt sich in praktisch jeder Situation eine frühzeitige rechtliche Beratung. Die juristische Bewertung hängt entscheidend davon ab, wie der Deepfake technisch erstellt wurde – wurde authentisches Bildmaterial genutzt, wie täuschend echt wirkt die Darstellung und auf welchen Wegen erfolgte die Verbreitung. Für diese Bewertung sind fundierte Kenntnisse im Persönlichkeitsrecht und Erfahrung im Umgang mit digitalen Rechtsfällen erforderlich.

Besonders eilig ist rechtlicher Beistand, wenn der Deepfake gerade aktiv verbreitet wird und rasches Handeln notwendig ist, wenn die Identität des Täters bekannt ist und zivilrechtliche Maßnahmen ergriffen werden können, wenn bereits berufliche oder private Folgen eingetreten sind oder wenn die Verbreitung über ausländische Plattformen stattfindet, bei denen grenzüberschreitende Rechtsfragen relevant werden.

Ein Rechtsanwalt kann sowohl strafrechtlich – Strafanzeige, Begleitung im Ermittlungsverfahren – als auch zivilrechtlich – einstweilige Verfügung, Löschungsanspruch, Schadensersatz – koordiniert vorgehen. Bei Deepfakes ist das parallele Verfolgen beider Wege meist die wirksamste Strategie.

Holen Sie sich frühzeitig rechtliche Beratung! Selbst wenn noch unklar ist, ob das Material tatsächlich verbreitet wurde. Eine vorbeugende rechtliche Einschätzung verursacht deutlich geringere Kosten als nachträgliches Handeln, wenn das Material bereits großflächig im Umlauf ist.

Fazit: Deepfake strafbar – kein rechtsfreier Raum trotz fehlender echter Aufnahmen

Deepfakes stellen keine Randerscheinung dar, sondern entwickeln sich zu einer zunehmenden Gefährdung des Persönlichkeitsrechts. Das deutsche Strafrecht stellt mit § 184k StGB, § 201a StGB, §§ 185, 186 und 253 StGB vielfältige Rechtsmittel bereit. Allerdings erreicht es bei vollständig durch KI erzeugten Inhalten seine Grenzen, die der Gesetzgeber bisher nicht beseitigt hat. Das Zivilrecht gewährt über das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Recht am eigenen Bild einen weitreichenderen Schutz, der unabhängig davon zur Anwendung kommt, ob authentische Aufnahmen genutzt wurden.

Wer Opfer eines Deepfakes wird, sollte zügig und systematisch vorgehen: Beweismaterial dokumentieren, Plattformbetreiber benachrichtigen und rechtsanwaltliche Beratung einholen. Die technische Vielschichtigkeit solcher Fälle macht fachkundige Unterstützung nicht zu einer Wahlmöglichkeit, sondern zu einer Erforderlichkeit.

Lassen Sie Deepfake-Inhalte und potenzielle Rechtsverletzungen zeitnah rechtsanwaltlich bewerten, um rasche Maßnahmen gegen die Verbreitung zu veranlassen, Persönlichkeitsrechte wirksam zu wahren und Ansprüche erfolgreich geltend zu machen.

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About the author

Anne-Kathrin Renz

Anne-Kathrin Renz

Anne-Kathrin Renz is a lawyer, data protection officer, and lecturer. She completed the theoretical part of her specialist lawyer training in intellectual property law and IT law. In her blog, she reports on current topics from the digital world of law.

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